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Januar bis März

Vögel füttern im Winter?

Vögel füttern

Wenn im Winter die ersten Schneeflocken fallen, besinnen sich wieder viele Menschen auf unsere heimische Vogelwelt. Die Vögel sind jetzt leichter zu sehen, denn die Bäume und Sträucher haben ihre Blätter abgeworfen. Spätestens zu dieser Zeit, meistens jedoch früher, werden in Zoohandlungen und Kaufhäusern scheinbar unerschöpfliche Mengen von Vogelfutter angeboten. In der Regel Meisenringe und -kugeln und Sonnenblumenkerne. Das Bedürfnis, Vögel zu füttern, scheint ein Ausdruck für den Wunsch nach Kontakt mit der Natur zu sein und läßt sich leicht mit einer Zahl belegen. Es werden jährlich mindestens 15 Millionen EUR in Deutschland für Vogelfutter ausgegeben. Jeder, auch Nichtgartenbesitzer und Stadtbewohner, kann sich für relativ wenig Geld Vögel unserer Landschaft ans Fenster locken und beobachten.

Leider herrscht häufig der Irrglaube vor, daß die Vögel das winterliche Futter zum überleben brauchen. Es wird jedoch dabei nicht bedacht, daß der starke Rückgang vieler Vogelarten auf die Vernichtung oder drastische Verschlechterung ihrer Lebensräume zurückzuführen ist. Die in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten aufgeführten Arten sind im wesentlichen deshalb gefährdet, weil ihnen durch die Intensivierung der Landnutzung, verbunden mit Anwendung von Chemie und Ausräumung der Landschaft, die Lebensgrundlagen entzogen werden. Die Vogelarten, die ernsthaft in ihrem Bestand bedroht sind, können also durch Winterfütterung nicht gerettet werden. Nur in Einzelfällen, wie z. B. bei seltenen Eulenarten, kann Winterfütterung bei extremer Witterung zum überleben der Art beitragen.

Die Vögel brauchen keine Fütterung

Unsere heimischen Vogelarten, die auch den Winter bei uns verbringen, sind auf das jahreszeitlich unterschiedliche Futterangebot eingestellt. Eine intensive und regelmäßige Winterfütterung hat weiterhin zur Folge, daß sich unter Umständen viel mehr Vögel im folgenden Jahr fortpflanzen, die unter natürlichen Bedingungen den Winter nicht überlebt hätten. Es findet keine ausreichende biologische Auslese mehr statt. Beispielsweise nehmen Kohlmeisen sehr viel leichter das angebotene Futter an als einige andere Arten. überleben also mehr Kohlmeisen als unter natürlichen Bedingungen, treten sie im folgenden Frühjahr in Konkurrenz mit Vogelarten, die die gleichen Ansprüche haben. Häufig ist dies z. B. der aus seinem überwinterungsgebiet zurückkehrende Trauerschnäpper. Im Kampf um den Brutplatz geht dabei meist die Kohlmeise als Sieger hervor. Insgesamt gesehen werden so einige wenige „Allerweltsarten“ zum Nachteil von empfindlichen oder selteneren Vogelarten durch den Menschen begünstigt.

Weitere negative Auswirkungen sind:

  • Futterabhängigkeit der Vögel
  • übertragung von Seuchen und Krankheiten an Futterplätzen
  • Falsche Fütterung der Vögel

Es wird vermutet, daß jedes Jahr mehr Vögel an unsachgemäßer Fütterung verenden als mit Hilfe von Fütterung vor dem Tod bewahrt werden. Es überleben also nur die Vögel, die zufällig nicht das falsche Futter gefressen haben bzw. nicht mit der krankheitsübertragenen Stelle in Berührung gekommen sind. Die tödlichen Folgen werden leider selten erkannt, weil die Vögel in der Regel an versteckten Stellen sterben.

Wie kann man helfen, ohne zu füttern?

Es müssen sowohl den Körnerfressern als auch den Weichfressern artgemäße Nahrungsquellen angeboten werden. Der einfachste und wichtigste Weg ist es, im Herbst die Gartenstauden stehen zu lassen und sie nicht in gutgemeinter Ordnungsliebe abzuschneiden. In allen Staudenarten kommen die verschiedenen überwinterungsformen von vielen Insekten und Spinnen vor. Sie sind entweder in den hohlen Stengeln der Stauden zu finden oder verkriechen sich in den stehengebliebenen Blattachseln oder Blütenresten. Daher kann man an stehengelassenen Stauden immer wieder Vögel beobachten, wie sie an den Samenständen und auch an den Stengeln picken. Dort können Weichfresser wie Rotkehlchen, Zaunkönig und Kleinspechte die notwendige Nahrung für das überwintern finden.

Schlußbemerkung

Wenn Sie zum Erhalt unserer heimischen Vogelarten beitragen wollen, denken Sie im nächsten Frühjahr daran, Ihren Garten vogelfreundlicher zu gestalten. Pflanzen Sie dichte Hecken mit vogelfreundlichen Gehölzen, die Nahrung und Nistgelegenheit für Vögel bieten und verwenden Sie Stauden, die gerne von Insekten angenommen werden. Die Insekten wiederum dienen vielen Vögeln als Nahrung. Dies sind wichtige Voraussetzungen dafür, eine artenreiche Vogelwelt zu erhalten. Hier können Sie ein wenig Ersatz für die abnehmenden Lebensräume der freien Landschaft schaffen.